Category: Transsibirian 2008 written on: 23.05.2008 - 14:19
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Category: Transsibirian 2008 written on: 19.05.2008 - 05:16
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So fuhren wir nun morgens vor zwei Tagen, gut ausgeruht, in den Bahnhof von Wladiwostok ein. Nach ca. 11000 Kilometern waren wir am Ende unserer Fahrt angelangt und wurden von unseren Mitreisenden sehr nett verabschiedet. Die Stadt begruesste uns mit herrlichstem Wetter und wir warfen gleich hinter dem Bahnhof einen Blick auf den Hafen und das Meer. Unglaublich - wir sind am Pazifik!

Wir kauften gleich mal die Faehrtickets fuer die Ueberfahrt nach Japan. Unsere Reservierung war leider nicht bekannt, es gab aber noch Plaetze und die Dame im Reisebuero war leider sehr sowjetisch. Naja, davon lassen wir uns die Laune nicht mehr verderben!

Die Unterkunftssuche dauerte sehr lange, denn das avisierte Hostel am anderen Ende der Stadt gab es nicht und wir mussten uns ein Zimmer in einem Sowjethotel mit dem kleinsten Bad der Welt (ohne Waschbecken nehmen). Hier ein Beispiel fuer sowjetische "Freundlichkeit":

Wir: "Sdrawstwuitje!", Dame an der Rezeption: entsetzter Blick, wir: "Wir haetten gern ein Dreibettzimmer fuer eine Nacht.", Dame: "Ja, 1950 Rubel plus 60 Rubel Registrierung.", wir: "Einverstanden, aber unser Freund fliegt schon morgen nach Hause und braucht keine Registrierung.", sie: "Wir registrieren immer. Moechten sie das Zimmer nicht? Bezahlung nur cash!", wir: "Gut, wir nehmen es, aber was man nicht moechte, bezahlt man auch nicht.", sie: "wir registrieren immer!"   - spaeter meinte Marc zu ihr, dass das Wetter sehr schoen sei und sie sagte nur: "Check out 12 o'clock". Leider ist es uns hier sehr oft so ergangen. Entweder die Leute sind sehr nett (leider sehr selten) oder unglaublich unfreundlich und starrsinnig (leider sehr oft). Man denkt, die Wende waere erst gestern gewesen.

Dafuer sind wir von Wladiwostok sehr angetan. Es gibt einen grossen, geschuetzten Naturhafen, mit einigen Marinebooten und Eisbrechern, aber auch zivilen Schiffen. Die Stadt ist sehr huegelig und es gibt viele schoene Aussichtspunkte. Man hat das Gefuehl, in Europa zu sein und es ist unglaublich, dass Nordkorea nur 50 Kilometer entfernt ist.

Wir besuchten ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg und haben mit Pascal das Ende unserer gemeinsamen Reise gefeiert. Leider musste er gestern zurueck fliegen. Marc und ich haben dann am Abend in einer Rockkneipe Bekanntschaft mit dem oertlichen Harley-Davidson-Club gemacht. Alles nette Leute, die gut gebildet waren und passabel englisch sprachen. Hier fiel uns erneut auf, das man als Deutscher sehr angesehen ist, aber erneut zeigte man seine Abneigung gegen die USA und auch China. Meine ausfuehrliche Meinung zu diesem Land wuerde hier den Rahmen sprengen, aber irgendwie scheinen die Leute hier ein seltsames Weltbild zu haben. Man merkt, dass sie immer eingesperrt waren und auch jetzt kaum die Moeglichkeit haben, ins Ausland zu fahren. Ausserdem fuehlen sie sich von allen Seiten bedroht und irgendwie scheinen immer die anderen Schuld an ihrer Misere zu haben. Wir haben uns auf all unseren Reisen im Durchschnitt noch nie so unwillkommen gefuehlt und die einfachste Kommunikation, wie Zeichensprache und Laecheln funktionieren hier haeufig nicht. Indien erscheint mir kulturell naeher zu sein. So war diese Reise eine tolle Erfahrung und Herausforderung und wir haben viel gelernt. Allerdings ist es schon beaengstigend zu sehen, dass uns Russland so fremd ist, wenn man bedenkt, wieviel Militaer und Atomwaffen es hier gibt. Unsere Meinung ueber Herrn Schroeder und Atomkraftwerke haben wir jedenfalls korrigiert.

Nach ueber drei Wochen Sonnenschein, hat es nun heute Nacht gestuermt und uns ist schon etwas mulmig zu Mute, denn heute abend geht die Faehre nach Japan. 42 Stunden und wir denken, wir werden uns danach wieder wie zu Hause fuehlen.

Soviel zu Russland und mehr dann aus Kyoto!

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